Ida

"Ich heisse Ida und bin eine junge Mastino Mix Hündin.

Ich werde oft aufgrund meines Aussehens schief angesehen oder verurteilt- der Maulkorb bestätigt manche Menschen nur. Was diese Menschen aber nicht wissen: ich habe Angst. Angst vor allem und jedem- alles was mir fremd ist und auch bekannte, plötzliche Situationen überrollen mich noch manchmal... Geboren wurden meine Geschwister und ich in einem Hochhaus, letzten Sommer. Entstanden sind wir aus reiner Geldgier- ohne einen Funken Verstand oder überhaupt der Möglichkeit uns großzuziehen. Meine Mutter war schnell überfordert mit uns- kein Wunder! Wir hatten keinen festen Platz, keine Ruhe, also wurde sie entfernt von uns. Fortan gab es die Flasche, mal mehr, mal weniger und eigentlich hatten wir immer Hunger. Als wir dann mobiler wurden und anfingen die kleine Wohnung auszukundschaften, natürlich auch immer mehr Dreck verursachten, wurden wir schließlich auf den Balkon verfrachtet. Man hatte inzwischen die Schnauze gestrichen voll von uns. Wir wurden dann allesamt viel zu früh, halbverhungert und sehr ungepflegt verkauft (es war für viele meiner Geschwister das große Glück) Ich wurde zusammen mit einem Bruder verkauft und wir hatten noch NICHTS von der großen, weiten Welt gesehen. Leider war mein neuer Mensch sich auch nicht bewusst, was wir bedeuten und vor allem abverlangen würden und so liefen wir eben auf dem Grundstück herum- immernoch, ohne endlich die Welt zu entdecken. Wenigstens gab es nun was zu fressen- aber unsere Neugier und der Wissensdurst nahmen genauso schnell zu. Wir wuchsen dem Menschen dann auch recht schnell über den Kopf... und eine andere Welpenkäuferin nahm mich bei sich auf um nach einem geeigneten Zuhause für mich zu suchen. Keine leichte Aufgabe!

Da war ich wohl so circa 14 Wochen alt und so langsam verwandelte sich meine Neugier in Angst. Ich blieb ein paar Wochen dort- und sammelte noch die ersten Eindrücke meiner Umwelt. Man hat sich endlich um mich gekümmert! Trotzdem fiel schon auf, dass ich obwohl ich noch so klein war, mich manchmal etwas komisch verhalte. In meiner neuen Familie haben mich dann eine geübte, sehr liebevolle Bullmastiffmama und ein souveräner Bordeauxdoggenrüde unter ihre Fittiche genommen- damit ich das Hunde einmaleins lernen kann. Ich wurde in ein Rudel mit 5 Hunden integriert und mir wurde die Welt gezeigt. Nun bin ich seit 10 Monaten hier, übe fleißig und habe viel gelernt - obwohl ich manchmal nicht richtig sehen kann,denn meine Augen sind nicht gesund. Meine Menschen schützen MICH deshalb noch draussen mit einem Maulkorb. Das stört mich aber nicht. Richtig sicher und wohl fühle ich mich eben nur Zuhause, am liebsten zwischen meinen "Zieheltern" die immernoch ein Auge auf mich haben. Manchmal höre ich, wie mein Mensch über mich sagt, ich raube ihm den letzten Nerv. Ich kann Löcher bis nach China buddeln, passe durch jede noch so kleine Katzenklappe und schmeisse auch gerne was um bei Freude, aber missen möchte er mich nicht- ich sei wohl ein sehr witziger, kluger, liebenswerter Hund.

Ich leb bloß in meiner eigenen Welt- das ist ok- man liebt mich dort!