Poison

"Mein Name ist Poison - ich bin ein 11 1/2 Jähriger American Staffordshire Terrier - Rüde.
Ich habe in meinem Leben schon sehr viel durchgemacht und würde euch gerne meine Geschichte erzählen....

Als ich 3 Jahre alt war, kam ich ins Tierheim. Mein damaliges Herrchen und Frauchen wurden inhaftiert und ich blieb in der Wohnung zurück. Das Kind meldete dem Jugendamt nach ein paar Tagen dann endlich, dass ich in der Wohnung festsaß. In Folge dessen wurde das Tierheim informiert und ich wurde mit viel Mühe und Not aus der Wohnung geholt. Viel Mühe und Not deshalb, da ich nicht sehr kooperativ war und sehr aggressiv auf die Tierheimangestellten reagiert habe. Schlussendlich schafften sie es dann aber mich aus der Wohnung zu holen und ich fuhr mit ihnen ins Tierheim. Dort teilte ich mir einen Zwinger mit einer Hündin. Anfangs biss ich auch noch einige Personen im Tierheim.

In den vielen Jahren - die ich im Tierheim verbrachte - lernte ich jedoch irgendwann, dass die Pfleger/innen dort mir nichts Böses wollen und ließ mich ohne Probleme in den Auslauf führen, sowie füttern. Intensiven Kontakt wollte ich aber trotzdem keinen mit ihnen haben. Eine Pflegerin nahm mich dann sogar ab und zu zum Spazierengehen mit - ich freute mich immer sehr, wenn ich endlich auch was von der Welt da draußen mitbekam. Leider verlor diese aber zwischenzeitlich immer wieder das Interesse an mir und ich wartete tagelang vergebens auf die tollen, gemeinsamen Spaziergänge. Schlussendlich verbrachte ich ganze 7 Jahre in diesem Tierheim, währenddessen wechselten sich meine Zwingerpartnerinnen, da alle ein neues Plätzchen fanden. Es war auch nicht wirklich leicht für mich ein neues Zuhause zu finden, da ich ein schwieriger Hund war und auch leider immer die „falschen“ Leute vor dem Tierheimtor standen. Vielen wollten mich als legale Waffe halten, andere wiederum um ihr Image aufzubessern. Der Rest hatte entweder nicht genügend Erfahrung mit Hunden oder sogar Angst vor mir.

Anfang Juli 2012 passierte es dann, eine neue Pflegerin fing an bei uns zu arbeiten. Und genau diese hatte sich in den Kopf gesetzt mit mir intensiv zu arbeiten. Anfangs war ich sehr, sehr misstrauisch, wenn mir der Maulkorb angelegt wurde und ich mit der neuen Pflegerin mit Gassi ging. Ich wollte von ihr eigentlich überhaupt nichts wissen – sie durfte mich nicht ansehen, nicht anreden und schon gar nicht anfassen. Mir standen sofort die Haare zu Berge, wenn ich ihren Blick auf mir spürte. Das Resultat daraus sah so aus: Ich blieb abrupt stehen, knurrte und fletschte meine Zähne! Sie jedoch ließ das kalt, sie kam mir aber auch nicht zu nah, ab und zu sah sie mich an und das war’s. Ich jedoch war noch immer nicht begeistert von diesen täglichen Spaziergängen. Irgendwann änderte sich dann alles, ich baute eine Bindung zu ihr auf und freute mich schon auf die täglichen Spaziergänge.
Nun lebe ich schon seit Juli 2013 bei meiner neuen Besitzerin - der ehemaligen Pflegerin - und bin überglücklich endlich ein tolles, neues Zuhause gefunden zu haben, wo ich bis ans Ende meiner Tage bleiben darf. Wir machen auch immer ganz viele tolle Sachen mit einander, wie zum Beispiel Agility und Trickdogging. Wobei mir das Tricksen viel besser gefällt und ich kann auch schon ganz viele tolle Tricks – ihr würdet Augen machen! So möchte ich auch gleichzeitig mit dem Vorurteil aufräumen, dass wir Senioren nur träge und faul in der Gegend rumliegen. Das ist absoluter Blödsinn, ich bin noch ein richtiges Energiebündel und brauche – sowie jeder andere Hund auch – geistige und körperliche Beschäftigung, damit ich ausgelastet bin.

So kommen wir auch schon zum Ende meiner Geschichte. Auf Grund meiner Vorgeschichte und den Jahren, in denen ich misshandelt wurde, fühle ich mich schnell von fremden Leuten bedroht und würde sofort zu beißen. In Gegenwart von meinem Frauli habe ich auch "gelernt" zu drohen oder anzuzeigen, wenn ich mich nicht wohl fühle. Mein Frauli machte mit mir in verschiedenen Einkaufszentren ein Maulkorbtraining und ich schaffte es schlussendlich sogar ohne Maulkorb durch die Menge zu gehen. Da wir aber leider immer wieder Vorfälle haben, wo Menschen mich um jeden Preis streicheln/angreifen möchten, muss ich den Maulkorb zur Sicherheit bei großen Menschenansammlungen tragen. Leider kommt es noch viel zu oft vor, dass mein Frauli sich rechtfertigen muss, warum und wieso ich nicht gestreichelt werden möchte und das verstehen wir nicht ganz - normalerweise sollte ein einfaches Nein akzeptiert werden! Durch den Maulkorb habe auch ich die Möglichkeit mein Frauchen zu begleiten - egal wohin der Weg führt."